Ich, mein Garten, frischer Mist und alte Weiber.
Für die Meteorologen beginnt der Herbst schon mit dem 1. September; kalendarisch haben wir noch bis zum 22. des Monats Zeit. Und wenn wir Glück haben, starten wir gerade in die fünfte Jahreszeit: den Altweibersommer. Nicht jedes Jahr ist er uns beschieden. Gärtner wissen die warmen trocknen Tage im September bis in den Oktober hinein zu schätzen. Eine Schönwetterperiode sorgt für einen Spätsommer im Garten. Hoffen wir auf warme Tage und kühle Nächte, erst dann können wir uns an den „Herbstfäden“, an das Meer von Spinnennetzen auf Gräsern und Blumen im Garten erfreuen. Mitnichten ein Schimpfwort, der Altweibersommer. „Weiben“ ist ein alter Begriff für Weben, der Ausdruck für das Knüpfen, hier der Spinnnetzen.
Der Rasen sollte jetzt ein wenig höher stehen bleiben, damit auch dort
frühmorgens die Fadenpracht im Morgenlicht mit tausend Tautropfen
behängt das Gärtnerauge beglückt.
Ich habe mich auf die Suche nach frischem Mist gemacht. Zunächst einmal
theoretisch. Bekanntlich kommt Düngen von Dung und in schlauen Büchern
heißt es immer wieder der beste Dünger sei Dung. Also Mist. Aber mit
Mist kann im Garten auch viel falsch gemacht werden. Vielleicht doch
gleich zu den kleinen blauen Kügelchen greifen? Nein, nicht so schnell.
Ein Versuch wäre es doch wert. Der Bauer mit den Rindern wohnt in
Sichtweite und Kuhmist wird als der beste beschrieben. Mist enthält
Stickstoff, Phosphor, Kalium und Kalk. Aber doch auch alles andere, was
heute bei der Tierhaltung Anwendung findet. Wie sieht es mit
Rückständen von Pestiziden, Medikamenten und Hormonen aus? Bekomme ich
Antworten von meinem Bauern? Was wird den Tieren gefüttert, fällt
überhaupt noch Stroh an, das im Mist auch einen wichtigen Anteil hat.
Fragen, die ich stellen sollte bevor ich eine kleine Fuhre Mist ordere.
Und komme ich überhaupt als Kunde in Betracht? Viele Bauern arbeiten
mit Mistverwertern zusammen. Mit der Beimischung von Kompost kommt dann
eine hochkonzentrierte Nährstoffmischung heraus, die für viel Geld
angeboten wird. Kompost habe ich selbst und mischen kann ich auch. Ich
werde es versuchen. Mein Tipp aus meiner Gartenfamilie: Wenn die Beete
und der Herbst es hergeben, mit dem Sauzahn oder der Grabegabel
schonend den Boden lockern, nicht umgraben. Dann etwa 5 cm hoch den
Mist verteilen, mit Steinmehl bestreuen. Und wichtig: alles mit einer
Mulchschicht abdecken. Die kann aus Laub –keine Eiche- oder aus
gehäckselten Gartenabfällen bestehen.
Natürlich lässt sich der Mist
auch gut mit kompostieren, bestimmt bleibt von der Fuhre noch etwas
übrig. Ach, übrigens auch Schafs-, Ziegen- und Geflügelmist hat es in
sich und sollte uns Gärtner locken. Auch der Pferdemist ist sehr
wertvoll, nur Achtung, er ist voller Hitze und darf nicht frisch auf
die Beete. Und Schweinemist? Nicht geeignet. Vielleicht ist uns das
Schwein doch zu ähnlich, unsere Fäkalien gehören auch nicht auf den
Kompost!
Gudrun Reher, 06.09.09