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Ich, mein Garten, und die beste Zeit:

Herbstzeit ist Staudenzeit.

Jetzt muss die Gärtnerin und der Gärtner Zeit haben, Zeit für die beste Zeit im Garten. „Vollherbst“ wie diese Zeit genannt wird, fordert vollen Einsatz; insbesondere wenn man Veränderungen im Garten vornehmen möchte. Stauden können noch geteilt, verpflanzt oder auch neu gesetzt und arrangiert werden. Mein Wunsch ist es das Staudenbeet noch ein Stück zu verbreitern. Gräser fehlen. Bisher hatte ich nicht den Mut in meinem kleinen Garten, aber vom  Fachmann hörte ich, dass große Einzelpflanzen einen kleinen Garten größer erscheinen lassen. Das Silberährengras (Achnatherum calamagrostis) soll im Winter mit Raureif überzogen besonders dekorativ aussehen, vielleicht auch das Lampenputzergras (Pennisetum alopecuroides) mit den buschigen Blütenständen. Aber das verlangt einen durchlässigen Boden und will durch einen freien Stand gewürdigt werden. Bis zu 150 cm hoch wird dass Goldbartgras (Sorghastrum avenaceum), das macht sich neben den hohen Sonnenhutstauden bestimmt besonders gut und schirmt den Carport der Nachbarn ab.

Gepflanzt werden in diesen Tagen auch neue Beerenobststräucher. Meine beiden hochstämmigen Johannesbeeren, rot und schwarz, sind vergangen und wollen ersetzt werden. Zu ihren Füssen soll wieder der Lavendel duften und das Beet wird um eine Stachelbeerpflanze erweitert, die fehlt zur Roten Grütze. Überall lese ich, dass an einem trüben, milden, aber trockenen Tag gepflanzt werden soll. Das ist äußerst umsichtig, bei Sonne geht’s ans Aufräumen im Beet. Der Giersch hat wieder einen Weg ans Licht gefunden. Der muss raus,  mit allen Wurzeln (gelingt mir nie) und nicht auf den Kompost! Aber bloß nicht zu viel zurückschneiden im Staudenbeet, die samen- und früchtetragenden Zierpflanzen bleiben zur Freude der gefiederten Freunde stehen. Schon jetzt ist das Staudenbeet Treffpunkt meiner sangesfreudigen Gäste. Aber nicht nur die besuchen meinen Garten: die Rehe lockt der frische Rosenaustrieb. Und sie waren wie ich doch sehr erschrocken als wir uns plötzlich gegenüberstanden.

Die Quitten wollen geerntet und verarbeitet werden. Dieses Jahr gibt’s reichlich Früchte am Baum. Die leeren Gläser für das Gelee stehen schon bereit; außerdem habe ich ein Rezept für ein Lammgericht mit Quitten gefunden. Das macht mich neugierig...heiß serviert nach einem Tag im herbstlichen Garten. Kürbissuppe vorweg und Griespudding mit Rotweinpflaumen zum Nachtisch.

Zu guter Letzt noch etwas vom Gartenmeister Johann Wolfgang von Goethe, als Tafellektüre sozusagen: er schrieb an Schiller, allerdings am 27. Juni 1797, einem vom Wetter her wohl unbeständigen Tag „Der Herbst ist immer unsere beste Zeit.“

Gudrun Reher 05.10.09

Ihr Merkzettel

Hypericum tetrapterum
Carex pseudocyperus

Gudrun

Gudrun Reher ist freie Journalistin, Buchautorin, Sozialarbeiterin und passionierte Hobbygärtnerin. Sie wohnt in Hamburg und bewirtschaftet einen Garten im ca. 180 km entferntem Angeln nahe der Flensburger Förde.