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Ich, mein Garten, die Kunst und das Gemüse

Ach, wie arm wäre die Welt ohne die Gärten?! Wie armselig wäre erst die Kunst ohne das Grün, ohne Blumen, ohne die Gärten? Der November lockt auch den Gärtner in trockene warme Ausstellungsräume und wo stockt der Schritt des Gärtners? Ob Claude Monet, Max Liebermann, August Macke, Paul Klee, Marc Chagall, oder schon Hieronymus Bosch, oder Niki de Saint-Phalle und in unserer Zeit zum Beispiel Andre Heller und Elfriede Jelinek, alle diese Namen sind auf die eine oder andere Weise auch mit ihrem Garten, mit ihrem Grün verbunden. Da gibt es die großen Lebenswerke wie von Monet, das ohne seinen Garten in Giverny in Frankreich, nicht denkbar wäre. Zu den Seerosenbildern in großer Vielfalt und gewaltigem Ausmaß pilgern jährlich hunderttausende, im Garten begegnen sich Kunstliebhaber und Gärtner.

Anregende Künstlergärten einerseits, aber auch kleine Oasen, wo in der Zurückgezogenheit die Ruhe zum Denken und Schreiben sich finden lässt. Was wäre Goethe ohne sein Gartenhaus, in dem es mancherlei Anregungen gab. Was hätte Nolde ohne seinen Garten gemalt? Auch auf die „Stunden im Garten“ von Hermann Hesse hätten wir wohl verzichten müssen, wären da nicht auch immer die Gartenliebhaber mit ihren Ideen, mit ihrem Fleiß, mit ihrer Vorstellung von Farben und Gestaltung am Werk gewesen.

Große Kunstobjekte, mannshohe Skulpturen können einen Garten auch zum Kunstgarten machen, sind aber nicht vonnöten. Ein kleiner Stein auf einem anderen, ein Stück Holz vom Strand mitgebracht und an einem Baum platziert, eine farblich ins Auge fallende Staudengruppe, ein blaues Stoffband im Frühling in den Wind gehängt, eine Gartengestaltung, die Entdeckungen zu lässt, die Spannung und Ruhe gibt: auch das ist in meinen Augen Kunst.

Charles Jones hat vor vielen Jahren sein Gartengemüse fotografiert, den Kohl, die Lauchstangen, die Äpfel. Wunderbare Schwarz-weiß Aufnahmen, die Sean Sexton auf einem Flohmarkt wieder entdeckt und unter dem Titel „Das wunderbare Pflanzenreich des Charles Jones“ als Buch verlegt hat. Das Gemüse wurde zur Kunst, zum Künstler der Gärtner. Eine Befruchtung der besonderen Art.

Mein Auge fiel dieser Tage in einer Ausstellung auf das Bild „Erinnerung an einen Garten“ von Paul Klee. Beim Betrachten kamen mir Erinnerungen an die verschiedenen erlebten Gärten meines Lebens, vor allem an die meiner Kindheit. An den riesigen Kirschbaum im Garten am unteren Ende der Straße, an die Tulpenfülle im Garten des Malermeisters, an die warmen Herbsttage, wenn der Wein mit den kleinen süßen Trauben an der geschützten Hauswand gegenüber uns Kinder lockte. Erinnerungen an Abendteuer in den verwilderten Gärten, die endlich groß in Erinnerung sind und wie stolz wir über gesammeltes Fallobst waren, das wir als Trophäen der Jagd mit heim brachten. Die Kunst hat den Bogen geschlagen zu meinen Bildern, zu meinem Garten der Erinnerung.

Gudrun Reher 06.11.09

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Lychnis flos-cuculi
Mimulus cupreus 'Roter Kaiser' (WS)
Polygonum bistorta 'Superbum'

Gudrun

Gudrun Reher ist freie Journalistin, Buchautorin, Sozialarbeiterin und passionierte Hobbygärtnerin. Sie wohnt in Hamburg und bewirtschaftet einen Garten im ca. 180 km entferntem Angeln nahe der Flensburger Förde.