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Ich, mein Garten und Menschen eigener Art!

Natürlich wissen Sie es auch. Ja, ich bin ganz sicher. Jeder Gärtner weiß es. Denn ein Garten hat eine Grenze. Einen Zaun. Ob Jägerzaun, Maschendraht, die teuere Ausführung aus gestrahltem Metall, mit Spitzen und Kugeln versehen, grün oder schwarz lackiert oder eine Hecke aus Rosen oder Buchen, einen Steinwall oder eine Mauer, begrünt mit Efeu. Ein Garten braucht Ordnung und Begrenzung.  Die Grenze  schafft  Verantwortung, Arbeit und gegebenenfalls auch Anerkennung. Unser Garten braucht eine Grenze.


Die einen drinnen, die anderen draußen. Und die draußen sind die Menschen der eigenen Art: Nachbarn! Eine ganz besondere Prägung innerhalb der Menschheit. Natürlich stammen wir alle aus dem paradiesischen Garten. Keine Frage. Und alle Gärtner wollen in ihrem begrenzten Raum ihr eigenes Paradies wieder erschaffen. Aber wir drinnen sind anders als die draußen, die auf der anderen Seite der Hecke, des Zaunes. Nachbarn bauen zu große, schattenwerfende Carports, rücken mit Sitzecken genau in unser Sichtfeld, bringen flutlichtartige Lichtquellen dank Sonderrabatt gleich fünffach an, gehören zu den Grill- und Feierprofis, kümmern sich gar nicht oder aber stündlich um mein Wohlbefinden, stehen mit Rhabarberkuchen und kritischen Bemerkungen am Zaun. Nachbarn sind einfach eine ganz besondere Ausprägung. Im Winter kann man sie ertragen, sie bleiben in ihren Häusern. Aber jetzt im Monat Mai trotzen sie vor Präsenz. Überall müssen sie werkeln und pusseln, hacken und graben, gießen und schneiden. Sie sind allgegenwärtig! So naheliegend dichtebei ...

Aber es gibt auch andere. Ich denke da an Heiko. Heiko wäre ein Nachbar, der uns Gärtnern gefallen würde. Er ist nicht mein Nachbar, leider. Aber seine Nachbarn sind geradezu privilegiert. Heiko hat ein Stück Land am Haus, einen Trecker, steht in den besten Jahren und ist zurzeit solo. Also hat niemanden, der ihm erzählt, was er zu tun und zulassen hat. Und Heiko hat zutun. Er hat mit seinen Nachbarn zusammen auf seinem Stück Acker einen großen Gemüsegarten angelegt. Seit zwei Jahren läuft das Projekt. Heiko bereitet den Boden vor. Seine Nachbarn kommen zum Pflanzen. Kartoffeln und Gemüsesorten, die man selbst verbrauchen will. Wer will, beschriftet, ganz klar, wem was wo gehört. Das Spannende: Man trifft sich, guckt, begutachtet, redet mit einander. Schaut über das Grün in der Nachbarreihe und bekommt wohl möglich einen Tipp, eine Schüssel mit neuen Kartoffeln oder auch ein Salatrezept. Der Gemeinschaftsgarten setzt einen, wenn auch noch kleinen Maßstab, in unserem Dorf. Hier gibt es kein drinnen und draußen, hier gibt es keine Altersgrenze, aber einen Raum für die kleine Nachbarschaftsriege der besonderen Art. Das Nächstliegende hat hier wieder eine Bedeutung. Nachbarn schaffen sich eine Grundlage, um gemeinsam etwas zu bewirtschaften, ins Gespräch zu kommen und dem Nächsten ein Stück näher zu sein. 

Gudrun Reher, 01.05.2011

Gudrun

Gudrun Reher ist freie Journalistin, Buchautorin, Sozialarbeiterin und passionierte Hobbygärtnerin. Sie wohnt in Hamburg und bewirtschaftet einen Garten im ca. 180 km entferntem Angeln nahe der Flensburger Förde.