Natürlich wissen Sie es
auch. Ja, ich bin ganz sicher. Jeder Gärtner weiß es. Denn ein Garten hat eine
Grenze. Einen Zaun. Ob Jägerzaun, Maschendraht, die teuere Ausführung aus
gestrahltem Metall, mit Spitzen und Kugeln versehen, grün oder schwarz lackiert
oder eine Hecke aus Rosen oder Buchen, einen Steinwall oder eine Mauer, begrünt
mit Efeu. Ein Garten braucht Ordnung und Begrenzung. Die Grenze
schafft Verantwortung, Arbeit und
gegebenenfalls auch Anerkennung. Unser Garten braucht eine Grenze.
Aber es gibt auch andere. Ich denke da an Heiko. Heiko wäre ein Nachbar, der uns Gärtnern gefallen würde. Er ist nicht mein Nachbar, leider. Aber seine Nachbarn sind geradezu privilegiert. Heiko hat ein Stück Land am Haus, einen Trecker, steht in den besten Jahren und ist zurzeit solo. Also hat niemanden, der ihm erzählt, was er zu tun und zulassen hat. Und Heiko hat zutun. Er hat mit seinen Nachbarn zusammen auf seinem Stück Acker einen großen Gemüsegarten angelegt. Seit zwei Jahren läuft das Projekt. Heiko bereitet den Boden vor. Seine Nachbarn kommen zum Pflanzen. Kartoffeln und Gemüsesorten, die man selbst verbrauchen will. Wer will, beschriftet, ganz klar, wem was wo gehört. Das Spannende: Man trifft sich, guckt, begutachtet, redet mit einander. Schaut über das Grün in der Nachbarreihe und bekommt wohl möglich einen Tipp, eine Schüssel mit neuen Kartoffeln oder auch ein Salatrezept. Der Gemeinschaftsgarten setzt einen, wenn auch noch kleinen Maßstab, in unserem Dorf. Hier gibt es kein drinnen und draußen, hier gibt es keine Altersgrenze, aber einen Raum für die kleine Nachbarschaftsriege der besonderen Art. Das Nächstliegende hat hier wieder eine Bedeutung. Nachbarn schaffen sich eine Grundlage, um gemeinsam etwas zu bewirtschaften, ins Gespräch zu kommen und dem Nächsten ein Stück näher zu sein.
Gudrun Reher, 01.05.2011