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Ich, mein Garten und das No-No!

Ach, Sie kennen das No-No nicht? Dann geht es Ihnen wie mir. Jedenfalls bis ich in der Wochenend-Ausgabe einer Zeitung über das "grüne No-No" las. Als Gärtner saugt frau und mann ja alles auf, was grün aussieht, sich grün anfühlt und mitunter auch, was sich nur grün gibt. Die Überschrift: "Das letzte grüne No-No" machte mich neugierig. Eine aussterbende Rarität? Eine grüne Oase im industriell aufstrebenden China?  Oder eine der illegalen, aber geduldeten Bepflanzungsaktionen der Berliner Grünaktivisten im trostlosen Großstadtdschungel? No, nichts von alledem.
Hinter dem letzten grünen No-No verbirgt sich eine Auflistung, ohne Anspruch auf Vollständigkeit versteht sich,  der Tabus, der aktuellen Gartentabus. Also wenn Sie eine empfindliche Seele sind, sollten Sie jetzt nicht weiterlesen. Aber welcher Gärtner hat nicht die zwei Seiten in seiner Brust. Wir wollen es doch wissen und wir können, ja wie oft müssen wir Härte zeigen, wenn wir graben, stechen, hacken, sägen...


Also, ich las weiter. Zunächst über Thuja-Hecken. Konsequenz: Absägen! Dann über die Gattung Trampolin, mit den Bezeichnungen "Trimilin", "Dinofant", "Ultrafit". Geforderte Konsequenz: Ein neues Abrüstungsabkommen mit unseren Nachbarn über die Zirkusstätten in unseren Gärten! Weiter in der Tabu-Liste: Plastikplanschparadiese, grellblau, nicht versenkbar im Bottich-Format. (Die Nachbarsfamilie mit ihren drei Kindern müssen die No-No-Liste zugesteckt bekommen haben: letzte Woche wurde der den ganzen Winter über stehenden blaue Fleck abgewrackt und ein neues Beet angelegt.) Beim weiteren Lesen werde ich schwach: Der Rittersporn auf der No-No-Liste. Wieso?  Ach, weil die Schnecken ihn lieben wie wir und wir nur am Päppeln sind. Konsequenz: Umsteigen auf den Eisenhut. Es gäbe ein Leben nach dem Rittersporn... Na ja, damit muss der Gärtner sich wohl nicht nicht zu frieden geben. Wir brauchen den Ansporn, sehr ritterlich! Zudem am blauen Eisenhut, Aconitum napellus, sind alle Teil giftig. Eltern aufgepasst: besonders die Samen, aus denen in der Kindergartenküche gern die Suppeneinlage gerührt wird. Der gelbe Eisenhut steht dem nicht nach.

Ein weiteres No-No will ich noch erwähnen. Wegen der eigenen Betroffenheit  Gut, ich schäme mich, offen gesagt: Das Rattengift! Ich bitte um Verständnis, kann darauf wohl aber nicht hoffen. Verstörte Blicke der Nachbarin haben mich schon getroffen. Trotz der vorbildlichen Anwendungskiste. Der Winter war lang und die immer in der Abendstille aufkeimenden Geräusche in der Hauswand waren beunruhigend. Wühlmäuse, Mäuse und Ratten sollen sich enorm vermehrt haben. Die Feinde aus der Luft sind rar, die Dorfkatzen übersättigt. Die öffentlich geforderte Konsequenz in der Zeitung lässt mich blass werden: Rattengift, "ist hoffentlich inzwischen ausgestorben. Wie ihre Anwender."

Doch, ich lebe noch und will nicht versäumen auf einige modische vermeintliche Erneuerungen in dieser Gartensaison hinweisen. Die robuste Gartenschürze wird wieder getragen. Meine Konsequenz: Ich habe noch ein paar abzugeben; ich komme mit Schürzen in den Beeten nicht gut zu recht.  Außerdem: Gummistiefel sind modisch wie nie, für jedes Outfit: Rosen-, Gemüse- oder Schottenmuster. Konsequenz: ich trage weiter meine alten abgeschnittenen gelben Segelgummistiefel. Yes!

Gudrun Reher, 03.05.10 

Gudrun

Gudrun Reher ist freie Journalistin, Buchautorin, Sozialarbeiterin und passionierte Hobbygärtnerin. Sie wohnt in Hamburg und bewirtschaftet einen Garten im ca. 180 km entferntem Angeln nahe der Flensburger Förde.