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Ich, mein Garten, und ein Sprung in die Zeit.

Ein außerordentlicher Winter neigt sich dem Ende zu. Drei Monate hüllte eine weiße dicke Decke unsere nordische Erde ein. Von wegen Klimawandel sagen die einen; Wissenschaftler sprechen vom wärmsten Halbjahr, dass wir je hatten. Weltweit werden die Temperaturen gemessen und da sind wir mit unseren Werten nur ein kleiner winziger Teil des Ganzen. Dennoch: lange hatten wir nicht mehr so einen Winter, nur die Alten erzählen, dass es früher doch immer so war...

Eine Gartenfreundin, mit weit über achtzig Jahren, erfahren an Lebens- und Gartenjahren, lud ein zum Tee in ihr kleines Haus, mitten im großen Garten. Sie erzählte, dass sie schon als Kind in diesem Garten lebte. Im Hause erwarteten uns Besucher Streublumen auf dem Porzellan, gestickte Blüten auf der Tischdecke, Sandkuchen mit Zuckerveilchen, rosa Tischlampenschirme auf blumenreich geschmückten Ständern. Die Fenster zum Garten gaben den Blick frei, eingefasst mit weißen Leinen, verziert mit grünen sich windenden Ranken.

Die Führung durchs Haus glich einer Reise in vergangene Zeiten. An den Wänden Blumenbilder von besonderem Reiz, viele Schwarzweißaufnahmen, Originalabzüge aus den zwanziger und dreißiger Jahren von Paul Dobe in Weimar. Auch dänische Kreuzstichbilder und farbenfrohe Aquarelle, alle mit Blumen oder Blattmotiven, füllten die Wände. Auf den Fensterbänken standen eng an eng Stecklinge in leichtem Sandboden. „Das sind immer noch die Geranien meiner Mama, ein ganz besonderer Rot Ton, schlicht, ungefüllt und mit einem leichten Duft nach Pfirsich...“ erfuhren wir. Kästen mit neuer Aussaat, abgedeckt mit Folie, zeigten den schon erwarteten Frühling an. Vor der Küchentür der Eimer mit den Abfällen für den Kompost. Beim selbstaufgesetzten Schlehenlikör durften wir einen Blick in die Pflanzen- und Gräsersammlung werfen. Feinsäuberlich gepresst und aufgeklebt, mit dem Fundort und der Datumsangabe versehen.

Die Gespräche in der „Fachrunde“ führten über die Entwicklung der Gartengestaltung. Den Staudenzüchter Karl Foerster hatte die alte Dame noch persönlich kennen gelernt, und war letztes Jahr erst in den nun denkmalgeschützten Garten nach Potsdam gereist. Sie erzählte über die Reformbewegung der Gartenplaner, wies auf einen Briefwechsel zwischen Max Liebermann, dessen Tochter und Alfred Lichtwark über die Planung des Gartens am Wannsee hin. Ich bin noch begeistert über die Fülle der Anregungen und denke mit Respekt an das an diesem Nachmittag erlebte Gärtnerinnenleben.

Verabschiedet wurden wir Gäste mit einem Goethe Zitat: Wer will denn alles gleich ergründen! Sobald der Schnee schmilzt, wird sich’s finden.  

Gudrun Reher. 01.03.2010

Gudrun

Gudrun Reher ist freie Journalistin, Buchautorin, Sozialarbeiterin und passionierte Hobbygärtnerin. Sie wohnt in Hamburg und bewirtschaftet einen Garten im ca. 180 km entferntem Angeln nahe der Flensburger Förde.