Ich, mein Garten und die Zeit zwischen Wollen und Können.
Der März ist ein großer Lehrmeister im Fach Geduld. Für jeden Gärtner. Die Vögel singen schon. Die Schneeglöckchen frohlocken, der Märzenbecher zieht mit seinen grünweißen kräftigen Glöckchen bewundernde Blicke auf sich, die ersten Krokusse schrecken ihre noch dicht geschlossen Blüten auf der Suche nach wärmenden Sonnenstrahlen, die kleinen lila Bergprimelchen öffnen sich in der Mittagszeit noch auf kurzem Stengel, die Narzissen recken sich schon über 12 Zentimeter in die Frühlingsluft.
Ich will hinaus! Ich will graben, hacken, versetzen, vermehren,
reinigen, hier und dort den Kompost und den Dünger aufbringen; ich will
stutzen, hochbinden, abschneiden. Ich will die flachen Wühlmaushügel
verteilen und zwei abgestorbene Scheinzypressen sollen raus. Ich will
hinaus, den Frühling riechen und alles für seine Ankunft vorbereiten!
Doch der März lernt mich mit strenger Hand. Der Regen kommt gleich nach
dem Sonnerschein, der Boden ist sehr feucht, wenn nicht gar ab und an
noch geforen. Der Wind weht kalt und hart. Dieser Winter war besonders
lang und fing vielerorts schon im Oktober an. Mein Platz am Ofen hält
mich immer noch fest. Ich kann nichts tun, nichts, was meine
Gärtnerseele beruhigt. Doch wieder zu den Gartenbüchern greifen?
Wie in jedem Frühjahr quellen die Zeitschriftenregale mit bunten
Gartenheften über. Ich lese, dass der Frühling mit einem Tempo von ca.
30 Kilometern pro Tag von Spanien über Frankreich zum Rhein und dann in
den Norden zu uns kommt. Wann ist der Frühling gestartet? Wo läuft der
Frühling gerade jetzt? Wieviele Kilometer sind es noch? Und dann in
Tagen umgerechnet? Also....
Geduld, Geduld, Geduld: Am 20. März um 12.44 Uhr sollen wir den
Frühling umarmen können, sagt der Kalender. Bis dahin reicht das Holz
für den Ofen und ist anderseits noch Zeit genug für all mein "Wollen".
Also wird das "Tun" noch ein wenig verschoben. Jedenfalls liegen die
warmen Sachen bereit und wenn's so weit ist, schnell hinaus und wenn
nicht? Geduld! Ein Buch zur Hand: Zum Beispiel über Hormone und
Frühlingsgefühle; es gäbe sie nicht, diese Gefühle, so lese ich. Der
Frühling habe keinen Einfluss auf die Hormone der Menschen! Keine
wissenschaftlichen Nachweise! Das kann ich nicht glauben. Mit
Sicherheit waren keine Gärtner unter den Versuchspersonen.
Gudrun Reher, 01.03.09