Heute habe ich die erste Rosenblüte entdeckt. Und auf dem kleinen
Hügelbeet schlagen sich die ersten Sämlinge um ihre Existenz. Hasen,
Vögel und Schnecken frohlocken um die grüne wohlschmeckenden
Zartheiten, auch die Dorfkatzen scheinen den wärmenden Erdhügel schon
erprobt zu haben.
Nun stehe ich vor meinem Holunder. Dieser "Baum des Heils" soll ja
nicht nur vor Hexen schützen. Ob seiner Kraft, vor allem der
schweißtreibenden, wurde er in früheren Zeiten als heilig betrachtet.
Nein, ich schlafe auch -noch- nicht im Schatten des Hollerbusches,
trotz der Überlieferung dass man dort vor Schlagen, Mücken und Zecken
sicher sei. Ich stehe vor dem Holunder und warte. Warte, dass sich die
Blüten öffnen. Ein, zwei, drei Tage mit etwas Sonne noch und dann...
schon der starke Duft der Blüten betört. Aber erst die in
Pfannkuchenteig ausgebackenen Blüten, der Holunderblütensirup oder die
Bowle. Ein Frühsommergenuss frisch aus Garten und Küche ohne Vergleich.
Als "märchenhaft köstlich" werden die Holunderpfannkuchen in dem
Kochbuch von Gerhard Schack beschrieben und dazu aus Shakespeare Sturm
zitiert: "such stuff as dreams are made on!" Zuerst einen
Eierkuchenteig bereiten. Mehl, Eier, wenig Zucker, Milch, eine Spur
Backpulver, vielleicht einen Schuss Rum. Auch mit Bier oder
Mineralwasser lässt sich ein Teig bereiten. Jede Familie hat da ihr
eigenes Rezept. Großmutter fragen. Ganz wichtig: der Teig muss ruhen.
Wie beim Pfannkuchen backen, eine halbe Stunde ist Pflicht, eine Stunde
noch besser. Ich pflege die Eier erst nach der Ruhe unter zu schlagen.
In dieser Quellphase geht's in der Garten, Holunderdolden schneiden.
sie müssen erblüht sein! leicht ausschütteln. Kleines Getier fällt so
heraus. Die Dolden werden dann in den Teig getaucht und in reichlich
Fett schwimmend ausgebacken. Auf Papier der Haushaltsrolle vorsichtig
abtupfen, auf den Teller und nach Geschmack mit Puderzucker und evtl.
einer Prise Zimt bestäuben. Das soll übrigens auch mit dem
Wiesenschaumkraut oder mit den Blüten von Chrysanthemen schmecken.
Gärtners Lohn, draußen unter dem blauen Himmel am Gartentisch mit Familie, Freunden oder Nachbarn genossen. Probieren!
Gudrun Reher, 05.06.10