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Ich, mein Garten und das Schwelgen in leuchtenden Farben und Düften.

Was für ein Start in den Monat Juni. Der Mai mit Regen und Kälte ist mit Würde gegangen. Deshalb war zwar allerorten der Spargel knapp, aber Tulpen, Vergissmeinnicht und Maiglöckchen haben mich mit vielen anderen Frühlingsblüher über Wochen erfreut und mischen sich erstaunlich jetzt mit den ersten Margeriten, dem üppigen Storchschnabel und den Pfingstrosen. So hatte auch die Kälte ihr Gutes. Ob wir den Monatsnamen Juni der Göttin Juno oder Junius Brutus zu verdanken haben, egal, auf jeden Fall schön warm mit Sonnenschein am Tag und ab und an Regen in der Nacht, so wünschen wir Gärtner uns diesen ersten Sommermonat. Überall wieder das schon fast vergessene Geräusch der Rasenmäher und ein kostenfreies Konzert von früh um 4 Uhr bis zum Schlafengehen: die Vogelwelt hat keine Arbeitszeitverordnung.

Heute habe ich die erste Rosenblüte entdeckt. Und auf dem kleinen Hügelbeet schlagen sich die ersten Sämlinge um ihre Existenz. Hasen, Vögel und Schnecken frohlocken um die grüne wohlschmeckenden Zartheiten, auch die Dorfkatzen scheinen den wärmenden Erdhügel schon erprobt zu haben.


Nun stehe ich vor meinem Holunder. Dieser "Baum des Heils" soll ja nicht nur vor Hexen schützen. Ob seiner Kraft, vor allem der schweißtreibenden, wurde er in früheren Zeiten als heilig betrachtet. Nein, ich schlafe auch -noch- nicht im Schatten des Hollerbusches, trotz der Überlieferung dass man dort vor Schlagen, Mücken und Zecken sicher sei. Ich stehe vor dem Holunder und warte. Warte, dass sich die Blüten öffnen. Ein, zwei, drei Tage mit etwas Sonne noch und dann... schon der starke Duft der Blüten betört. Aber erst die in Pfannkuchenteig ausgebackenen Blüten, der Holunderblütensirup oder die Bowle. Ein Frühsommergenuss frisch aus Garten und Küche ohne Vergleich.
Als "märchenhaft köstlich" werden die Holunderpfannkuchen in dem Kochbuch von Gerhard Schack beschrieben und dazu aus Shakespeare Sturm zitiert: "such stuff as dreams are made on!"  Zuerst einen Eierkuchenteig bereiten. Mehl, Eier, wenig Zucker, Milch, eine Spur Backpulver, vielleicht einen Schuss Rum. Auch mit Bier oder Mineralwasser  lässt sich ein Teig bereiten. Jede Familie hat da ihr eigenes Rezept. Großmutter fragen. Ganz wichtig: der Teig muss ruhen. Wie beim Pfannkuchen backen, eine halbe Stunde ist Pflicht, eine Stunde noch besser. Ich pflege die Eier erst nach der Ruhe unter zu schlagen.
In dieser Quellphase geht's in der Garten, Holunderdolden schneiden. sie müssen erblüht sein! leicht ausschütteln. Kleines Getier fällt so heraus. Die Dolden werden dann in den Teig getaucht und in reichlich Fett schwimmend ausgebacken. Auf Papier der Haushaltsrolle vorsichtig abtupfen, auf den Teller und nach Geschmack mit Puderzucker und evtl. einer Prise Zimt bestäuben. Das soll übrigens auch mit dem Wiesenschaumkraut oder mit den Blüten von Chrysanthemen schmecken.
Gärtners Lohn, draußen unter dem blauen Himmel am Gartentisch mit Familie, Freunden oder Nachbarn genossen. Probieren!

Gudrun Reher, 05.06.10

Gudrun

Gudrun Reher ist freie Journalistin, Buchautorin, Sozialarbeiterin und passionierte Hobbygärtnerin. Sie wohnt in Hamburg und bewirtschaftet einen Garten im ca. 180 km entferntem Angeln nahe der Flensburger Förde.