Ich, mein Garten, der Strandkorb und die Ebay-Aktualität.
Nein, ich nutze das Onlineauktionshaus nicht um Pflanzen für meinen Garten einzukaufen. Ich brauche den Weg in die Gärtnerei, das Sehen, das Riechen und überhaupt! Den Schnack mit dem auch suchenden Kunden neben mir, den Rat des Fachverkäufers, dort wo es ihn noch gibt. Aber dennoch: Da gibt's die Internetsuchmaschine, die ich auch schon mal nach Gerätschaft, Rinderdünger und Besuchsmöglichkeiten von offenen Gärten und Ausstellungen befrage.
Jetzt hat mich eine Nachricht bestätigt und zugleich in dem Ausmass
auch überrascht. Ebay hat die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage
veröffentlicht. Die Krise hat den europäischen Garten erreicht. Wir
bleiben Zuhause und machen es uns dort gemütlich; der Urlaub im eigenen
Garten, auf der Dachterrasse, dem Balkon! Und dafür geben wir unser
Geld aus, da wissen wir, was wir haben, was uns erhalten bleibt und wo
wir glauben uns ein Stück unabhängig zu fühlen vom unsicheren Lauf
der Welt, vor allem des Finanzgeschehens.
Zu den Ebay-Fakten: die Nachfrage nach Strandkörben stieg um 38, die
nach der doch schon zur Generation der Großeltern gehörenden
Hollywoodschaukel um 36 Prozent.
Aber damit nicht genug. Nutzpflanzen wie Kartoffeln, Tomaten und
essbares Grün haben im ersten Quartal 2009 im Vergleich zum Vorjahr um
fast 40 Prozent zugenommen.
Damit liegen die Deutschen noch weit hinter den europäischen Nachbarn:
Für Irland und Polen werden Steigerungen um über 100, in Spanien um die
70 Prozent ermittelt.
Und seien wir ehrlich. Es hat schon etwas auf der eigenen Terrasse zu
sitzen und den Gästen die Tomatensuppe handgerührt aus den sorgsam
gepflegten Früchten anzubieten. Dann folgt der Salat gemischt mit dem
üppig aufgelaufenen Rucola, dazu das Lammfilet mit Rosmarin, gerade
frisch gebrochen von der Pflanze vor dem Küchenfenster, als Beilage die
ersten mühsam geschrubbten Kartöffelchen mit Thymian. Zum Nachtisch
ein Fruchtsorbet aus Himbeeren und kleinen Walderdbeeren, dekoriert mit
Gänseblümchen und den blauen Blüten des Borretsch.
Und Sie müssen sich nicht ein mal zu einem Gemüsegarten entschließen.
Gekonnt wächst der Kohl im Staudenbeet; farblich abgestimmt. Das
Lila-rot des Rotkohls lässt sich mit purpurvioletten Zierlauch, dem
frischen Grün des Kopfsalats und kräftigem Grünrot der Roten Bete
kombinieren. Vielleicht noch ergänzt durch den Mangold, dessen
verschiedene Sorten mit unterschiedlichen Farben aufwarten. Die
hochstämmigen Johannisbeeren genießen den ihren zu Füssen liegenden
blauen Lavendel. Möhren und Zucchini geben auch später in der
Auflaufform mit der Minze eine gute Mischung ab. Und das Gute neben der
Arbeit in gebückter Haltung: Ich werde mir genau überlegen, mit
welchen Mitteln ich dünge, was ich gegen Schnecken und anderes Getier
einsetzen werde. Aber dazu an anderer Stelle mehr.
Gudrun Reher, 01.06.09