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Ich, mein Garten und der Blick in die Zukunft...

...ich müsste hinaus: der Fasanenfamilie ein körnerreiches Jahr wünschen, dem Spatzenheer erklären, dass es zum Füttern viel zu warm ist, prüfen, ob die Rosenknopsen auch im Januar duften, der Zierquitte für die rot leuchend Blüten danken,  die im Rasen aufgeworfenen Erdhügel einebnen, Drossel und Fink ankündigen, dass der Knick bis 14. März auf den Stock gesetzt und andere Nistplätze ausgekundschaftet werden müssen. Die Knickpflege ist in diesem Winter fällig. Und natürlich wartet der Komposthaufen auf die Umsetzung,  mit Zweigen und Gestrüpp zur Auflockerung, Luft muss hinein, zu viel Feuchtigkeit hat sich angesammelt. Ich sollte wirklich hinaus!

Aber draußen herrscht graue schwere Regenluft und Sturmböen sind laut Wetterbericht auf dem Weg.

Also doch lieber den Nach-Draußen-Blick mit einem heißen Minztee und ein Griff zur Mappe mit den ungelesenen Gartenartikeln des letzten Jahres. Rückblick mit Ausblick in die Zukunft. "Soziales Gärtnern", gemeinsam, zusammen, mitmachen, sind die Schlagworte; das "neue Gärtnern"  im Balkonkasten, auf öffentlichem Grund, in Kisten, Containern und stabilen Sandsäcken. Mobil wie die Gesellschaft kommen die Gemeinschaftsbeete daher und suchen Beetpaten mit grünen Daumen oder auch nicht. Hauptsache die Bereitschaft in die Knie zu gehen, den Rücken krumm zu machen, sich einzubringen in die neuen Keimzellen des Grüns. Reine Stadtgeschichten, um aus dem Mauergrau zu entfliehen, dem tristen Beton, der Teerversiegelung der Mutter Erde Natur entgegen zu setzen? Nur ein Trend, angefangen mit dem Guerilla Gardening, das mit Blumen rund um Bäume und auf Gehwegen für bunte Überraschungen sorgten , ein Trend, der aufkeimt und vergeht? Gemeinschaftliche Erfahrungen gehören zum Leben, sagen die Psychologen. Nachhaltigkeit sei gefragt, interkulturelle Begegnungen mit sinnvoller Beschäftigung. Nur ein Wohlstandsmodell einer urbanen Avantgarde? Auffallend ist allemal, was mit ein paar Kubikmeter Muttererde, Sämereien und Pflänzchen erreicht werden kann.

Meine Gartenfreude soll in diesem Jahr um das Gemeinschaftserlebnis erweitert werden: ich habe mich um die Aufnahme im Nutzgartenprojekt im Dorf beworben. Mit Gemüse will ich es versuchen, die Ergebnisse der anderen Gärtner waren in den letzten zwei Jahren bemerkenswert. Nur für die Kartoffeln war es anscheinend viel zu feucht. Jetzt muss ein Pflanzplan her: Mischkulturen sind nicht nur platzsparend, sondern auch gut fürs Wachstum, gegen Schädlinge und als Schutz gegen Unkraut und dem Austrocknen, lese ich. Vor allem müssen Entscheidungen gefällt werden, Keimlinge online bestellt, Vorziehen der Aussaat auf der Fensterbank oder doch kräftige Jungpflanzen? Sollten die Beete eine Ausrichtung haben, Nord-Süd Richtung? Fragen über Fragen! Der Blick in die Zukunft erfordert eine gärtnerische Zusammenkunft: Planungsgemeinschaft mit den erfahrenen Gemeinschaft-Gemüse-Gärtnern.

Gudrun Reher, 03.01.12

Gudrun

Gudrun Reher ist freie Journalistin, Buchautorin, Sozialarbeiterin und passionierte Hobbygärtnerin. Sie wohnt in Hamburg und bewirtschaftet einen Garten im ca. 180 km entferntem Angeln nahe der Flensburger Förde.