Das
Gänseschmalz ist kaltgestellt, der Tannenbaum hat seinen Dienst getan, das Haus
füllt sich mit Hyazinthenduft. Ein neues Jahr steht mit Erwartungen und
Hoffnungen vor uns.
Ich lese die Zeilen von Bertolt Brecht:
Der
erste Blick aus dem Fenster am Morgen
Das
wieder gefundene alte Buch
Begeisterte
Gesichter
Schnee,
der Wechsel der Jahreszeiten
Die
Zeitung
Der
Hund
Die
Dialektik
Duschen,
Schwimmen
Alte
Musik
Bequeme
Schuhe
Begreifen
Neue
Musik
Schreiben,
Pflanzen
Reisen
Singen
Freundlich
sein.
‚Vergnügungen’
vor vielen Jahrzehnten geschrieben und dennoch soeben empfunden. Das Vertraute,
das Wiederkehrende ist auch etwas, was mich mein Garten lehrt. Zeiten der Ruhe,
des Wartens, des Entdeckens zu akzeptieren, aber auch zu genießen. Zu
Begreifen, was wichtig ist, wo Grenzen des Möglichen sich auftun, wie Dinge
ihren Weg finden. Der Garten ist ein Lehrmeister ohne Gleichen. Der Garten gibt
uns Freude und Kraft, auch oder gerade weil er auch Kraft und Anstrengung kostet.
Karl Foerster nannte eines seiner Bücher den „Garten als Zauberschlüssel“, eine
amerikanische Autorin schreibt unter dem Titel „In meinem Garten wachse ich“
über die Kraft, die sie aus ihrem Garten erhält.
Gärten können erfreuen,
überreizten und gestressten Menschen Ausgleich und manchem Kranken gar Heilung
geben. Der Garten eines Altenheimes, den ich regelmäßig besuche, weckt für die
Bewohner Vertrautes. Dicht am Wegrand wachsen, auch für die Rollstuhlfahrer
greifbar, die Stachelbeeren; auf Beeten in Tischhöhe, finden sich alle Küchen-
und Heilkräuter, die Erdbeeren wachsen in den Mund und Salat- und
Kartoffelpflanze werden erkannt und weckt Erinnerungen. Verschiedene Obstbäume
stehen auf diesem Fleckchen und tragen nicht nur die eigenen Früchte. Jedes
Gespräch, was hier geführt wird, wirkt wie Balsam. Ehrenamtliche Helfer sind in
diesem, auch ihrem Garten zuhause.
Arbeit gibt es immer, wie in jedem Garten,
wiederkehrend. Aber keine Angst, ich möchte den Neugierigen Mut machen.
Natürlich lassen sich durch Planung, durch eine sinnvolle Auswahl an Stauden,
die für unser Klima geeignet, ja die als robust zu bezeichnen sind, Rabatten
zusammenstellen, die nach einer Anlaufzeit gar den Ausdruck pflegeleicht
verdienen. Auf jeden Fall wird das Ergebnis lauten: der Aufwand hat sich
gelohnt! Ein Tipp: Denken Sie auch an die sich durch Selbstaussaat vermehrenden
Pflanzen. Auf meine Vergissmeinnicht, die Stockrosen, die Fingerhüte, den
Frauenmantel, die Maiglöckchen, auch die Königskerzen und die vielen Narzissen freue
ich mich schon jetzt.
Gudrun Reher ist freie Journalistin, Buchautorin, Sozialarbeiterin und passionierte Hobbygärtnerin. Sie wohnt in Hamburg und bewirtschaftet einen Garten im ca. 180 km entferntem Angeln nahe der Flensburger Förde.