Welch eine Farbe! Grün. Natürlich die Farbe der Gärtner. Die mit dem grünen Daumen, die mit dem satten grünen Rasen, mit dem immergrünen Buchs. Grün beruhigt. Soll die Augen schonen und das Gemüt ausgleichen. Selbst aus grauen Schiefertafeln sind allerklassen dunkelgrüne Schiebemonster geworden. Grüne Geldanlagen locken kritische Kapitalanleger, grüne Läden sprießen mit grünen Angeboten empor und grüne Gummibären sind beliebt. Grünes Gemüse soll den Krebszellen den Garaus machen, ohne grünen Tee auf der Getränkekarte kommt heute keine Bewirtung mehr aus.
Auch die Modemacher, Innendekorateure und Möbelhersteller haben das Grün
der 70er Jahre wieder entdeckt. Es grünt in allen Ecken!
Selbst eine Stadt, die schon immer als die grüne Stadt mit ihren vielen
Parks, Grünflächen und Bäumen viele Besucher lockte und Anwohner
erfreute, will für neue grüne Spuren sorgen. Die Stadt Hamburg ist die
Umwelthauptstadt Europas 2011 und "Nachhaltigkeit" ein beliebtes Wort
bei Politikern geworden. Der Wahlkampf tobt. Nahezu jeder Baum, der eine
Straße säumt, trägt Plakat. Nun soll in Hamburg die Mülltrennung
greifen. Papier in die blaue Tonne, wiederverwertbares Einpackzeug in
die gelbe, Grünabfall in die braune Biotonne und Essenreste ebenso, und
der Rest kommt in die graue Restmülltonne. Richtig? Aber gab's da nicht
auch eine grüne Tonne?! Oder stand die in Schleswig-Holstein?
Ressourcenorientiert sollten wir sein, wir, die wir sozusagen auf der
reichen Seite des Planeten leben. Kritisch sollten wir uns als
Verbraucher verhalten. Gerade jetzt wo wieder einmal ein
Lebensmittelskandal die Schlagzeilen bestimmt. Also greifen wir doch zum
Grün! Oder werden gleich zum Selbstversorger in unseren Gärten! Da
kommt die Nachricht, dass Gründeiche an den Küsten, dass Weideflächen in
Schleswig-Holstein ebenso schadstoffhaltig sind. Ob Dioxin, Cadmium,
Blei oder Nitrat, wir sind vielen Dingen ausgesetzt. Und sehen kann man
nichts.
‚Jede zweite Schnittblume kommt in dieser kalten Jahreszeit von
weit her: Kenia, Ecuador, Kolumbien sind die Erzeugerländer. Die
Pestizidbelastung ist oft enorm hoch. Wie bei den Lebensmitteln wollen
wir auch beim Blumenschmuck günstig einkaufen und zu keiner Jahreszeit
verzichten. Das bunte Grün in den Vasen und auf dem Tisch ist preiswert,
fordert aber langfristig einen gesundheitlichen Preis. So kommen die
mit Pestizide hochbelasteten Grünabfälle gut getrennt in die Biotonne
und den Kompost kann der Gärtner im Jahr darauf für seinen Garten
erwerben.
Es grünt so grün...
Ja, das Leben ist gefährlich und voller Risiko. Aber wir Gärtner lassen
uns nicht entmutigen! Es macht Freude im Garten, das Wachsen zu sehen;
zu wissen, mit welchen Mitteln ich dünge. Sicherer ist es immer noch
heimische Sorten anzupflanzen und saisonale Gemüse zu verarbeiten. Auch
bei den Blumen lockt bei Verzicht auf weitgereiste Ware, keine Tristheit
in der Stube: Frühlingsblüher und Zweige zeigen im Warmen ihre Werte.
Informationen über "umweltfreundliches Grün" finden sich an vielen
Orten.
Gudrun Reher, 16.01.2011
Gudrun
Gudrun Reher ist freie Journalistin, Buchautorin, Sozialarbeiterin und passionierte Hobbygärtnerin. Sie wohnt in Hamburg und bewirtschaftet einen Garten im ca. 180 km entferntem Angeln nahe der Flensburger Förde.