Endlich,
in meinem Garten glitzert es. Der Frost verzaubert – ob in der Vormittagssonne
oder mit dem kräftigen Schein des Mondes: das Licht bringt die Sterne des
Winters zum Blinken – ganz ohne Strom. Auf jedem Grashalm, jeder getrockneten
Blütendolde, ja auf jedem Laubblatt zeichnet der Frost ein kunstvolles
filigranes Muster. Das für die nächsten Monate vor uns liegende Wechselspiel der Temperaturen lockt mich
einen besonderen Blick für den Garten zu haben. Der winterliche Garten bietet
sich an, um mit seiner eigenen Schönheit und seinem Erlebnisreichtum Freude zu
bereiten. Und ich meine nicht den beleuchteten Weihnachtmann Schlitten, das
blinkende Engelchen auf der Tanne oder kunstschnee- bedecktes Rehkitz mit den
aufleuchtenden Äuglein...manch kläglich trister Garten erwacht zwar auf diese
Art aus seiner Leblosigkeit. Gut, jeder nach seinem Geschmack.
Blühendes zu entdecken, einen besonderen Duft wahrzunehmen, sich noch lange an Zieräpfeln zu erfreuen, all das ist im winterlichen Garten möglich. Der Gärtner braucht allerdings Geduld, viel Geduld. Winterblüher entwickeln sich langsam, da dauert es mitunter Jahre und auch ein Ausloten, bis der beste Platz gefunden wird, bis sich die winterliche Blüte zeigt. Ein sonnig, wind geschützter Flecken, vielleicht gar mit einer Mauer im Hintergrund, eignet sich besonders.
Mitte
und Ende des 19. Jahrhunderts haben Pflanzensammler wie Robert Fortune die
Pflanzenwelt im asiatischen Raum, unter anderem in China, Tibet und Korea, nach
Pflanzen durchsucht, die sich auch für das europäischen Klima eignen. Die
Gartenkultur blühte, nicht im kleinen Hausgarten, dort wuchsen Kartoffeln, Kohl
und Rüben. Aber die Herrschaftshäuser mit ihren großen Gartenanlagen und das
aufstrebende Bürgertum mit Landsitz oder Garten um die Villa, waren an Neuem
interessiert.
Gudrun Reher 05.12.09