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Ich, mein Garten und der Sommerdurst.

Sommerzeit und Trockenheit. Ein gutes Geschäft für die Getränkeindustrie zeichnet sich ab. In den Gärten, auf den Terassen und Balkonen läßt es sich in diesem Sommer gut trinken. Bier, leicht süßlich mit Obstgeschmack in allen Richtungen, scheint der Renner zu sein. Wasser aus der Leitung, angesetzt mit frischen Minzblättern, zwei schwarze Johannisbeerrispen aus dem Garten, dazu drei Steine, rundgeschiffen von der Kraft des Meeres, schmeckt und gibt den Gästen Gesprächsstoff. Wasser ist ein kostbares Gut und Gärtner wissen dies. In diesem Jahr scheint das feuchte Nass besonders begehrt. Vielleicht trübt aber auch nur unsere Erinnerung. War der Rasen nicht wie selbstverständlich um diese Zeit gelb und lag ohne Hoffnung auf neues Grün da? Glücklich der Gartenbesitzer, der Bäume schätzt und Schatten schafft. Zufrieden auch der Gartenbesitzer, der die Beete eng bepflanzt und mit Rasenschnitt, Häckselzeug und Rindenmulch die Erde abgedeckt hat. Dennoch. Es sollte doch wenigstens nachts so ab und an regnen! 

Die Regentonnen sind wieder leer. Ja , ich gehöre auch zu denen, die gießen. So ganz ertrage ich nicht die Weisheit, dass die Pflanzen sich schon zu helfen wissen mit dem Morgentau, den sich tief in die Erde streckenden Wurzeln, mit der Hoffnung auf den kommenden Gewitterschauer. Gut, zu meiner Entschuldigung: ich gieße gezielt. Die Pflanzen zeigen, wenn ich genau schaue, ihre Bedürftigkeit. Noch am frühen Morgen hängen die Blätter des blühenden Phlox, der Schmetterlingsbaum wirft gelbe Blätter ab und die weißblühende Hortensie schreit geradezu nach dem Inhalt der Gießkanne, laut und deutlich, je näher ich an sie herankomme: augustmächtiger Durst. Aber was mache ich? Die Regentonnen sind leer. Wasser aus der Leitung, so kalt und kalkhaltig, so hart und teuer! Mit dem Schlauch gespritz, obwohl schnell, bequem und großflächig, noch nicht! Erst einmal ein Schattenplätzchen, ein großes Glas erfrischendes Nass für mich,  ein Blick in die Zeitung zum Wetterbericht, den Nacken zum Himmel, um zu sehen wohin die Wolken ziehen...

Eine Zeitungsnachricht findet meine Aufmerksamkeit: immer mehr Gemeinden erheben eine Gebühr für die "Niederschlagswasserbeseitigung". Lese ich richtig? Gerecht nach dem Verursacherprinzip soll die Ableitung des Regenwassers umgelegt werden. Der Gebührensatz, heißt es, wird pauschal pro Quadratmeter versiegelte Fläche auf 0,30€  festgesetzt.  Das hieße also gegebenenfalls meine Dachfläche, die Terrasse, die Auffahrt, der Hofplatz!? Und in regenarmen Jahren wie diesem? Und müsste ich meine vollen Regentonnen dann zählen und eine Erstattuung fordern? Wie steht's bei begrünten Dächern und bei Reet?
Fragen über Fragen...es sollte regnen. So oder so, aber reichlich und nachts.   

Gudrun Reher, 06.08.10

Gudrun

Gudrun Reher ist freie Journalistin, Buchautorin, Sozialarbeiterin und passionierte Hobbygärtnerin. Sie wohnt in Hamburg und bewirtschaftet einen Garten im ca. 180 km entferntem Angeln nahe der Flensburger Förde.