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Ich, mein Garten und das Geschlecht.

Ist der Garten mit einer schönen, launischen, anstrengenden Frau vergleichbar? Voller Überraschungen immer wieder, kostspielig ohne Frage, vereinnahmend und zeitraubend Stund um Stund, manchen Gärtner gar verschlingend und zur lebenslangen Begleiterin werdend?
Leicht gekränkt habe ich meinen Garten schon erlebt. Das Grün fordert regelmäßige Zuwendung. Andere Exemplare zeigen sich mit Hügeln und Senken, Kuschelecken und auch Feuchtgebieten mancherorts. Weiblich eben, oder nicht?! Der Garten macht uns abhängig: der Rasen will kurz und mossfrei gehalten werden, das Beerenobst geerntet und Mohn und Frauenmantel zurückgeschnitten werden, verblühte Rosen rufen nach der Schere, das Grün im Kiesweg erorbert den Platz und Raum. Überall Rufe, Aufgaben. Eine Chefin eben. Ganz anderes als ein männlicher Vorgesetzter mit knappen Anweisungen!

"Der Garten," sagt mein Mann "natürlich ist der Garten männlich, selbstverständlich. Starker Wuchs, Schutz vor den Unbillen des Lebens, Freizeitobjekt, ertragreich, mit Wohlfühlrendite, krisensicher. "

Hecken-Charles
Aber mein Garten ist weiblich. Ich empfinde mein Stückchen Grün als weiblich, als weich und rund, als bunt und anregend, als fruchtbar und sich immer wieder erneuernt. Dieses Stückchen Grün macht mich glücklich: es bietet die lieblichsten Orte, morgens in der Sonne, mittags im Schatten und abens vor der Westwand mit dem Blick auf den Sonnenuntergang. Das Land, das sich Garten nennt, zeigt sich mal in großer Ruhe, ausgeglichen oder gar für Nachbarn neidvoll auffallend schön, geschmackvoll in der Komposition, vielleicht sogar prätentiös. Ein anderes Mal spüre ich die Spannung, die Aufgeregtheit meiner Pflanzexperimente, gar das Aufbäumen einer sterbenden Pflanze mit einer sich verausgabenden Blütenpracht. Ist das männlich?

Sowohl Frauen wie Männer gärtnern, beackern ihren Garten. In den Gartenecke der Baumärkte, bei Erde und Gerätschaften habe ich eher den männlcihen Kunden vor Augen, in den Staudenabteilungen meine ich mehr Frauen wahrzunehmen. Die klassischen Gärtner waren in der Vergangenheit häufig Männer, sie schrieben  viele Gartenbücher. Beweist das, dass der Garten männlich war und ist? Neuerdings tauchen viele weibliche Gärtnerinnen und Autoren auf. Gibt es eine grundlegende Veränderung? Sucht das umheckte oder umzäunte Grün nach einer neuen, geschlechtsübergreifenden Identität? Vielleicht findet ja jeder in seinem Garten das, was er sucht. Oder macht aus seinem Garten das, was er braucht. Oder schafft der Orte vieler: Mein kleiner Garten teilt sich in viele kleine Räume. Jetzt wo die Hecken grün und groß geworden sind, spaziere ich von Raum zu Raum, von Ort zu Ort. Hier wartet der Tisch mit den Stühlen, dort die kleine Bank,  dort hinten der Liegestuhl aus Holz, der auch bei Regen stehen bleiben darf. Auf diesen Quadratmetern riecht es nach Thymian, dort strömt der Lavendelduft und hinter der nächsten Hecke klingt das Windspiel am Quittenbaum. Und, ich darf es verraten, ab und an denke ich mit meinem Blick auf die Hecken auch an Prinz Charles, der ja auch der Hecken-Prinz genannt wird. Ein Prinz, der nicht König werden darf, engagiert sich für das ökologische Grün, er pflanzt, wo er kann Hecken. Hecken schaffen neue Räume, vielleicht für ein weibliches Stück Grün?               
Gudrun Reher, 02.08.09   

Ihr Merkzettel

Hypericum tetrapterum
Carex pseudocyperus
Iris ensata(kaempferi) 'Variegata'
Houttuynia cordata 'Variegata'
Geum rivale
Lysimachia nummularia (WS)

Gudrun

Gudrun Reher ist freie Journalistin, Buchautorin, Sozialarbeiterin und passionierte Hobbygärtnerin. Sie wohnt in Hamburg und bewirtschaftet einen Garten im ca. 180 km entferntem Angeln nahe der Flensburger Förde.