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Ich, mein Garten und neuer Glanz!

Endlich, endlich, endlich! Das Warten ist vorbei. Der Frost ist aus dem Boden. Frühlingsregen und Sonnentage im Wechsel verspricht der Wetterbericht. Welch' eine Freude. Mein erster Besuch in diesem Jahr in einer großen Gartenbaumschule in Hamburgs Westen. Ich habe einen lange mit mir herumgetragenen Gutschein in der Tasche. Jetzt ist zum Einlösen genau die richtige Zeit. Farben für mein Gemüt, Arbeit für die Hände, Pflanzen und frische Erde für Kübel und Töpfe. Ein paar kahle Stellen vorn dem Küchenfenster und im Blick vom Sofa wollen auch bedacht sein.

In der Gärtnerei herrscht vor dem Wochenende Hochbetrieb. Freundliche Mitmenschen ohne Eile ziehen mit ihren Handwägelchen durchs Gelände.  Sträucher und Bäume sind gefragt: Eine alte Birnensorte gesucht, sich für eine stattliche Eibe entschieden, ein in rosa Blüte stehender Zierstrauch aufgeladen. Bei den bunten Frühjahrblühern kommt keiner vorbei ohne zuzugreifen. Auffallend, dass ältere Herren zu den gelben Pflanzen greifen. Große Ladungen, wohl für Friedhof, Beet und Kübel, nur in Gelb, nicht lange überlegt. Ich staune. Frauen entscheiden sich für lila, blau und Rottöne, probieren ein Nebeneinander aus, verwerfen, stellen erneut zusammen. Ein flacher dunkler Weidenkorb wird probeweise mit kräftig leuchtenden Bergprimeln gefüllt, abgestellt, betrachtet und für gut befunden. Stiefmütter und Hornveilchen, Primeln und Maßliebchen, aber auch schon Vergissmeinnicht und Maiglöckchen locken den Gartenfreund. Vorgezogenen Tulpen und Narzissen sind natürlich im Angebot, für die,  die im Herbst die Zwiebelpflanzzeit verpasst haben oder einfach jetzt schnell ein blühendes Ergebnis haben wollen. 

Auch wenn meine Gartenbeete eigentlich keinen Platz mehr bieten, jetzt scheint es doch auf den ersten Blick so, dass da und dort noch etwas dazwischen passt. Vier Wochen später werde ich wieder denken, zu eng zu eng. Ihr nehmt euch Licht und Luft und Erde, aber dann auf ein Neues! Auseinander gepflanzt, ein Stück Rasen in ein Beet kultiviert.  Also führte der Weg in der Gärtnerei doch zu den gutsortierten winterharten Staudenpflanzen. Mein kleines, buntes Ergebnis: ein Storchschnabel / Geranium wallichianum  mit dem Namen "Buxtons Variety" in hellblau, die Gewöhnliche Wegwarte / Cichorium intybus, diese Heil- und Nutzpflanze, die ja eigentlich eine verzauberte Jungfrau sei, die sich am Wegrand wartend auf ihren Liebsten verzehrt. So jedenfalls die Sage. Übrigens erweitert die himmelblau blühende Wegwarte den Speiseplan mit Salat und Gemüse. Mit Licht, Sonne und genügend Feuchtigkeit wird sie 100 - 140 cm hoch. Für einen Trog habe ich eine Fetthenne eingepackt: die Staude des Jahres 2011 Sedum  kommt  in sehr vielen Variationen daher. Schon der legendäre Karl Foerster erwähnt über 14 Sorten: "Sedum spathulifolium " , eine immergrüne  flache Polsterpflanze mit gelben Blüten. Und Dank des großzügigen Gutscheins steht jetzt auch eine Paeonia suffruticosa , eine weißblühende, gefüllte Strauch-Pfingstrose zum Einpflanzen bereit. Die Sonne lacht, ich muss hinaus.

Gudrun Reher, 01.04.2011

Gudrun

Gudrun Reher ist freie Journalistin, Buchautorin, Sozialarbeiterin und passionierte Hobbygärtnerin. Sie wohnt in Hamburg und bewirtschaftet einen Garten im ca. 180 km entferntem Angeln nahe der Flensburger Förde.