Zu mir in den Garten kam ein Freund. Musisch, künstlerisch begabt und
von berufswegen mit kritischen Blick, aus der Redaktion der
Gartenzeitschrift entsprungen. Schweigend machte er seine Runde durch
mein Grün und meine Frühlingsfarben. Die Manöverkritik war auf Farben
abgestimmt. Das Gelb der Schlüsselblume harmonisiere nicht mit dem
Bergprimel-Lilarot... und so weiter...
Wenig später sah ich in den Zeitschriften den aktuellen Trend: der
gelbe Garten, der blaue Garten, der weiße Garten, der rote Garten und
auch der grüne Garten. Pflanzenkombinationen zu bestellen, jetzt gleich
und hier. Ich fühlte mich an die jährlich farblich wechselnde
Weihnachts-Tannenbaum Deko erinnert. Die mache ich ja auch nicht mit.
Mein Garten bleibt bunt, fürs Auge beruhigendes Grün zwischen den
Beeten, in denen sich fürs Jahr hinweg immer wieder Neues auftut. Mit
Ringelnatz Worten liege ich auf der Lauer:
"Unter der Erde murkst etwas,
unter der Erde auf Erden,
pitschert und drängelt .-Was will das
Ding oder was wird aus dem Ding,
das doch in sich anfing, einmal zu werden?"
Gudrun Reher, 05.04.09